NEWS
  • Modified Date : 10.06.2016 14:25
  • Created Date : 31.05.2016 12:35
  • Activity Date : 27.05.2016

PARLIAMENTS ARE NEITHER THE INSTITUTES OF HISTORY, NOR THE COURTS

President of Istanbul Bar Association Atty. Assoc. Prof. Ümit Kocasakal penned a letter to the Federal Parliament of Germany, or German Bundestag, concerning a draft law, which would enact the grievous incidents of 1915 as genocide, to be voted in a session on June 2, 2016 in the German Bundestag. In his letter, Kocasakal expressed their regret and concern due to this session and voting to legislate these incidents as “genocide”, and he underlined that this would lead to a barely-recoverable resentments between the peoples of two states.

Please find below the letter dated 27.05.2016 in German:

                                                                                                                      27.05.2016

AN DEN VORSITZ DES DEUTSCHEN BUNDESTAGES,

Wie Ihnen bekannt, geschah in den Jahren 1914-1918,  zwischen zwei Blocks die sich auf der einen Seite aus England, Frankreich und Russland unter der Herrschaft des Zaren und auf der anderen Seite aus Deutschland, Österreich-Ungarn und dem Osmanischen Reich zusammensetzen, der als allgemeiner 1. Weltkrieg bezeichnete Krieg, der großes Leid und Zerstörung verursachte. 

Der Hauptgrund für diesen Krieg war der Umstand, dass für das „Ost-Problem“ keine friedliche Lösung gefunden werden konnte. Mit dem Ost-Problem waren hier die Aufteilung der aus der Sicht von Energiequellen und Bodenschätzen äußerst reichen osmanischen Ländereien und die Auflösung des Osmanischen Reichs gemeint.

Das Osmanische Reich und das Deutsche Kaiserreich haben in diesem großen Krieg an unterschiedlichen Fronten gegen gemeinsame Feinde in denselben Reihen gekämpft und waren Teile einer Schicksalsgemeinschaft. Am Ende des großen Krieges standen dann die beiden Verbündeten den schweren Bedingungen für Waffenstillstand und Frieden des siegenden Blocks gegenüber.

In der Phase des großen Krieges haben manchen armenische Mitbürger des Osmanischen Reichs Umsturzkomitees gebildet, durch die Zunahme der Angriffe auf Militär und ziviles Volk, mit der Unterstützung des Zarenregierten Russlands, traf die damalige Regierung den Beschluss der Zwangsabwanderung einbezogener Mitbürger.

Die Schließung der armenischen Umsturzkomitees und die Anwendung der Zwangsabwanderung gegen die armenischen Mitbürger in manchen Gebiete innerhalb der politischen Grenzen des Osmanischen Reichs, verursachten unter Kriegsbedingungen zweifellos auf beiden Seiten tragische Ergebnisse und Vorfälle die großen Schmerz mit sich brachten.   

Diesen tragischen Vorfall der im ersten Quartal von 1915 erlebt werden musste, betrachtet jede Seite von seiner eigenen Tribüne aus. Oftmals wird sich von juristischen Maßen, Bedingungen der Periode und der geschichtlichen Objektivität entfernt und die Bewertung erfolgt unter Anwendung der heutigen Dimensionen und so werden subjektive Ergebnisse erzielt.  

Dieser tragische Vorfall, bei dem sich immer weiter von der wissenschaftlichen und geschichtlichen Plattform entfernt wird, wurde bis in die Politik übertragen und wird von einigen Parlamentariern unserer heutigen Zeit als Völkermord legalisiert, die Republik Türkei und das türkische Volk wird als Völkermörder beschuldigt. Jedoch muss aber mit wissenschaftlichem und sachlichem Blick auf die Geschichte, jeder Vorfall unter Berücksichtigung der Bedingungen der damaligen Zeit im Umfang jener Bedingungen bewertet werden. Mit Blick aus dem Jahr 2016 können Vorfälle die sich 1915 ereignet haben nicht bewertet werden. Ebenso ist der Umstand, dass Schmerz der in der Vergangenheit erlitten wurde, auf politischen Ebenen verwendet wird, aus der Sicht der Ethik eine unakzeptable Situation.  

Wir müssen mit Bedauern und Sorge feststellen, dass für den tragischen Vorfall der oben aufgeführt ist, am 2. Juni 2016 im Deutschen Bundestagsparlament bezüglich der Legalisierung als Völkermord eine Anhörung und Abstimmung stattfinden soll. Wir möchten, dass Sie sich im Klaren darüber sind, dass diese Bemühungen das türkische Volk, offensichtlich entgegengesetzt zu dessen geschichtlichen Daten und Chronologie der Periode, als Völkermörder abzustempeln, in keiner Weise verdient hat, und dies die freundschaftlichen Beziehungen zwischen der Republik Türkei und Deutschland auf irreparable Weise schädigen wird.

Ebenso ist anzuerkennen, dass in Deutschland lebende Millionen Türken, von denen viele deutsche Staatsbürger geworden sind,  ihren Beitrag zum Deutschen Wirtschaftswunder geleistet haben und Schweiß für die Ebene des Wohlstands, die Sie nun erreicht haben, gespendet haben, durch diese Handlung beleidigt und verletzt werden, was in beiden Völkern sehr schweres Ärgernis und Bitterkeit hervorrufen wird, deren Wiedergutmachung sehr schwer sein wird.    

Die Anwaltskammer Istanbul, bewertet die Absicht, die Vorfälle die zu den Bedingungen der damaligen Zeit erlebt wurden, die im Umfang der Auflösung des Osmanischen Reichs durch einen Krieg und dem Aufzwingen der Kolonialbedingungen mit dem Widerstand des türkischen Volkes  der mit der Bedeutung der  Selbstverteidigung geschah, als Völkermord zu bezeichnen, als eine politische Absicht die gegen wissenschaftliche und politische Werte verstößt. Parlamente sind keine Geschichtsinstitutionen oder Gerichte. Das Europäische Gericht für Menschenrechte hat erst neulich in einem Beschluss diesen Umstand aufgeführt. Aus diesem Grund ist hier zu unterstreichen, dass ein solcher Beschluss der gegen die Justiz, das Urteil des Europäischen Gerichts für Menschenrechte, die Wissenschaft, die geschichtlichen Wahrheiten und gegen das Gewissen verstößt, der Bundesrepublik Deutschland und dessen Parlament kein Ansehen verschaffen wird. Sondern im Gegensatz sein Ansehen auf jeden Fall Schaden nehmen wird. Das „Aufkratzen“ von Wunden die bereits verkrustet sind und diese erneut „zum Bluten zu bringen“ bringt niemandem einen Vorteil.

Bezüglich dieses Entwurfs, der sich offensichtlich von der geschichtlichen und wissenschaftlichen Plattform entfernt hat und  von dem auf der Hand liegt, dass dessen Annahme Probleme mit sich bringen wird, die mit dem Einfluss der konjunkturellen Politik nur sehr schwer wieder zu beheben sind, möchten wir Ihnen mitteilen, dass wir uns unsere Hoffnung weiter erhalten, dass Sie im letzten Moment persönliches und kollektives Gewissen zeigen und mit „Staatssinn“ verhindern werden, dass dieser angenommen wird. Andernfalls werden sich entwickelnde Auswirkungen dauerhaft und vielleicht sogar vernichtend sein.

Hochachtungsvoll 

Ra.DOÇ.DR.ÜMİT KOCASAKAL

VORSITZENDER DER AWALTSKAMMER İSTANBUL

 

Please click here to see the letter in Turkish and English.

PRINT
Loading...